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Maria Gertrud Brecher 
(Quelle: Harke-Schmidt, S. : Maria Brecher, Frauen in der Kerpener Geschichte)

Anna Maria Gertrud Nesseler wurde am Rosenmontag 1916 in Gill bei Rommerskirchen als zweites Kind der Eheleute Winand und Agnes Nesseler geboren. Neben dem älteren Bruder zählte sie weitere neun Geschwister, von denen ein Kind noch im Säuglingsalter verstarb.
Die Eltern betrieben einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferdezucht.

Nach den ersten drei Jahren an der Volksschule in Rommerskirchen ging sie zu einer kinderlosen Tante nach Düsseldorf, wo nach einem weiteren Volksschuljahr der Besuch des Gymnasiums erfolgte, wo sie 1934 mit dem Abitur abschloss. In der Folgezeit half sie ihrer Mutter bei der Hofarbeit und bei der Erziehung der Geschwister. Dabei prägte die Mutter ihre Tochter, die an Geschichte und Politik interessiert war.

Am 20.6.1938 heiratete sie 22-jährig den 20 Jahre älteren Reiner Jakob Brecher und zog zu ihm auf die “Buirer Burg”. 1939 kam der erste Sohn Hilger Josef zur Welt. Ihm folgten in den späteren Jahren Franz Arnold, Anna Maria, Reiner Hubertus und Thomas Nikolaus.

Obwohl ihr Ehemann noch mit den Folgen des ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 zu kämpfen hatte, wurde er bei Ausbruch des 2. Weltkrieges als 42-Jähriger erneut eingezogen. Erst nach energischer Intervention seiner Ehefrau wurde er aus der Armee entlassen.
Maria Gertrud Brecher war während des Krieges für die Finanz- und Hauswirtschaft des Hofes zuständig. Daneben war auch noch die Hilfe einer Haushälterin erforderlich, denn neben den Familienangehörigen und auf dem Hof beschäftigten Arbeitskräften mussten polnische Kriegsgefangene, die für landwirtschaftliche Arbeiten abgestellt waren, versorgt werden. Das Verhältnis war familiär, so fertigten die polnischen Kriegsgefangenen z.B. eine Weihnachtskrippe, die viele Jahrzehnte unter dem Weihnachtsbaum im Hause Brecher aufgestellt wurde.

Am 23.02.1945 wurden große Teile des Hofes bei einem Bombenangriff zerstört. Doch mit großer Tatkraft begab sich Frau Brecher an den Wiederaufbau.

Nach dem Krieg war sie eine der “Frauen und Männer der ersten Stunde”. So gehörte sie mit zu den Gründungsmitgliedern des 1946 gegründeten CDU-Ortsverbandes. 1948 wurde sie als erste und einzige Frau in den Rat der Gemeinde Buir gewählt und war maßgeblich am Wiederaufbau des kommunalen demokratischen Gemeinwesens beteiligt. Für den Bürgermeister war sie allein schon deshalb unersetzlich, da sie als Fahrerin diente; nach dem Krieg gab es auf der Buirer Burg eines der wenigen Autos - einen VW-Käfer. Trotz ihres Engagements wurde sie 1952 nicht wiedergewählt, was wohl vor allem dem damals vorherrschenden Frauenverständnis zugeschrieben wird.

Seit Ende der 40er Jahre wurden auf dem Hof Brecher Insassen des Zuchthauses Rheinbach bei landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt. Es waren Häftlinge, die wegen guter Führung resozialisiert werden sollten. So arbeiteten in den Folgejahren zwischen 20 und 40 Häftlinge und entsprechendes Wachtpersonal auf dem Hof. Frau Brecher kümmerte sich nicht nur um die Häftlinge auf ihrem Hof, sondern engagierte sich auch in einer Kommission, in der Zuchthausverwaltung und Vertreter der in diesem Projekt angeschlossenen Betriebe die Arbeits- und Lebensbedingungen der Häftlinge aushandelten. Dass das Projekt gelang, beweist, dass einige Männer nach ihrer Haftentlassung auf dem Hof als Arbeitskräfte übernommen wurden.

Lange Zeit war Frau Brecher auch als Schöffin bei den  Amtsgerichten Kerpen und Bergheim tätig. Auch beim Landwirtschaftsgericht wurde ihre Mitwirkung geschätzt. Bis Mitte der 80er Jahre war sie zudem Mitglied in der Kommission für Musterung und Kriegsdienstverweigerung beim Kreiswehrersatzamt.

Mitte der 60er Jahre wurde sie erneut politisch aktiv und wurde 1964 für die CDU direkt in den Kreistag gewählt. 1969 bestätigen die Wähler ihr Mandat für weitere 5 Jahre. Im Kreistag gehörte sie dem Jugendwohlfahrtsausschuss, dem Kulturausschuss, dem Sozialausschuss und dem Schulausschuss an. Zudem war sie 1968/69 in der Buirer Gemeinde- und Amtsvertretung Mitglied.
In Buir galt ihr Engagement vor allem dem Aufbau der Grundschule und dem Erhalt des St.- Josef-Hauses. Auch kämpfte sie mit gegen die kommunale Neuordnung.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1976 wurde sie von 1979 bis 1984 im Bezirksausschuss Blatzheim/Buir/Manheim politisch aktiv.

Die Mitgliedschaft ihrer Söhne Arnold und Reiner im Go-Cart-Verein weckte ihr Interesse für den Motorsport und so half sie beim Aufbau der Go-Kart-Bahn in Horrem. Bei der Einweihung 1965 nahm sie zusammen mit dem Journalisten Walter Erasmy und dem Horremer Bürgermeister Hans Deckstein an einem Prominentenrennen teil, das sie gewann.

Für ihre Verdienste wurde sie am 14.10.1988 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Wenige Jahre später verstarb sie.

 

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