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Saatzucht Krafft

Carl Krafft wurde am 9.Juli 1864 als zweiter Sohn des Sanitätsrates Dr. med. Joseph Krafft in Kerpen geboren. Er besuchte die Bürgerschule in Kerpen, dann die Realschule in Düren und schließlich die Landwirtschaftsschule in Kleve. Bereits als Schüler kreuzte er zwei verschiedenartig blühende Kaiserkronen erfolgreich. Das Zeugnis der Reife erhielt er Ostern 1883 zusammen mit dem „Berechtigungsschein für den einjährigen Militärdienst“. Als Eleve und Volontär war er auf vier verschiedenen landwirtschaftlichen Gütern beschäftigt, unter anderem auch in Posen. 1890 kehrte er zurück in die rheinische Heimat, heiratete und übernahm das Rittergut Verckensburg. Ab 1898 bewirtschaftete er zusätzlich das durch Erbschaft erhaltene Familiengut, dass seit 1677 als Höckingsburg, dann Scheffertsburg bekannt war. 1910 pachtete er anstelle der Verckensburg das Gut Vogtsburg

Als Krafft das Rittergut Verckensburg übernahm, kam er zu der Erkenntnis, dass die angebauten Getreidesorten nicht optimal auf die Bodenverhältnisse und das Klima abgestimmt waren. Er leitete daher Anbauversuche ein, zu denen er unterschiedliche Land- und Züchtungssorten heranzog. Dabei stellte er fest, dass einige angebaute Sorten nicht rein waren, sondern ein Sortengemisch darstellten. Um hier Abhilfe zu schaffen, erntete er von einigen schön gebauten Ähren die Körner und brachte diese auf einem separaten Beet aus. Die Ernte dieses Beetes wollte er als Saatgut für den eigenen Anbau benutzen und überschüssiges Saatgut zu verkaufen.

Das Wissen aus seinen Anbauversuchen nutzt er, um durch entsprechenden Anbau Saatgutgewinnung zu betreiben. Durch Literaturstudium verschaffte er sich das Wissen um die damals beginnende Wissenschaft der Pflanzenzucht. Hinzu kamen praktische Versuche.
Als nächstes nahm er die Einzelauslese ganzer Pflanzen vor und kontrollierte deren Vererbungsfähigkeit.
Für seinen Zuchtbetrieb schuf er einen Zuchtgarten, ein Zuchtlaboratorium und ein Zuchtregister. Bei der Pflanzenzucht beschränkte er sich zunächst auf je eine Sorte des Winterroggens und des Winterweizens. Später nahm er die Züchtung einer zweiten Winzerweizensorte auf wie auch von Sommerweizen, Hafer und AckAusflug des Hofes Kraffterbohnen. Bekannte Sorten waren: Kraffts Zeeländer Winterroggen, Kraffts Dickkopf-Winterweizen, Kraffts Siegerländer Landweizen, Kraffts Beseler Hafer Nr.2, Kraffts rheinischer Weißhafer, Kraffts rheinischer Gelbhafer, Kraffts rheinische Feldbohne

1901 gründete Carl Krafft  die Buirer Bezugs- und Absatzgenossenschaft und rief 1904 zusammen mit M. Conzen und H. Müngersdorff den Rheinischen Saatbauverein ins Leben. Hier war er lange 2. Vorsitzender. Bei der Weltausstellung 1910 in Brüssel erhielt er die Goldene Medaille für die ausgestellten Hochzuchten. Als großer Erfolg darf auch die 1919 erfolgte Auszeichnung durch die DLG und die Einbeziehung von vier Sorten in das Hochzuchtsortenregister bezeichnet werden.
Krafft war rund 25 Jahre in der Pflanzenzucht tätig. Hierbei hat er auch Vorträge gehalten und wiederholt auf die Bedeutung des Saatgutes hingewiesen sowie darauf, wie wichtig es ist, das Saatgut regelmäßig zu wechseln. Am 10. September 1923 verstarb er.

Josef Krafft wurde am 29.9.1905 in Buir geboren und studierte später an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Bonn-Poppelsdorf. 1931 übernahm er die Saatzuchtwirtschaft Krafft in Buir. Da aus den Sorten wegen einer von der damaligen Reichsregierung verordneten Sortenbereinigung nur noch zwei Sorten übriggeblieben waren, und die Saatzuchtbetriebe sich mehr und mehr auf den mitteldeutschen Raum konzentrierten, wandte sich Josef Krafft der Kartoffelzucht sowie der Produktion von Pflanzkartoffeln zu. 1932 wurde die Saatzucht in das Versuchsgut der Bonner Universität Dikopshof verlegt. 1933 erfolgte die erste Pflanzgutvermehrung. Josef Krafft führte zahlreiche Sorten- und Spritzversuche durch und prüfte Anbau- und Erntemethoden. So gewann er mehr und mehr Kenntnisse, die für einen erfolgreichen Anbau wichtig waren. Vor dem 2. Weltkrieg errichtete er auf dem Hof eine große, glasgedeckte Vorkeimhalle, in der auch eine Zentralheizung vorhanden war. Hier konnten rund 15.000 Zentner Pflanzgut aufbewahrt und vorgekeimt werden. Diese Anlage war einzigartig im Rheinland und dienste vornehmlich dazu, den zahlreichen Gartenbauvereinen der näheren und weiteren Umgebung Pflanzgut bereitzustellen. Die Auslieferung erfolgte mit eigenen Lastzügen. 1936 erfolgte die erste Kreuzungszucht, die sich im Rheinland jedoch als sehr schwierig erwies, da hier eine starke Virusverseuchung des Pflanzgutes vorherrschte. Daher entschloss sich Krafft 1939 zum Kauf des Gutes Reppow mit 200ha im Kreis Neustettin. Das Gut in Ostpommern ging jedoch mit allem vorhandenen Zuchtmaterial im Krieg verloren. Auch in Buir wurden Gebäude und Einrichtungen im Krieg weitgehend zerstört.

Nach Kriegsende erfolgte der Neuanfang in Buir ab 1946 mit Dr. Eberhard Schmidt als Saatzuchtleiter (bis 1968). Schmidt war ein in der Kartoffelzucht erfahrener und kenntnisreicher Mann. Aufgrund eines starken Virusbefalls, war die Rheinische Bucht für den Kartoffelanbau jedoch ungeeignet. Daher wurde nach alternativen Standorten mit „gesunden“ Böden gesucht. Bereits 1947 wurde eine Anbaumöglichkeit im Westerwald gefunden. Es handelte sich um eine  1939 vom Reichsarbeitsdienst für Siedlungszwecke gerodete Fläche, die zwischenzeitlich bereits wieder verbuscht war. Entsprechend kümmerlich fielen hier die ersten Ernten aus. Weitere Entfernungen waren aber aufgrund der damaligen Verkehrslage nicht vertretbar. Einige Häuser und eine Feldscheune wurden gebaut, der Betrieb erhielt den Namen Tannenhof. Bereits 1950 wurde die Pacht durch die Landesregierung Rheinland-Pfalz gekündigt, die für die Flächen andere Pläne hatte und als Ersatz eine Staatsdomäne (Briedeler Heck) im Hunsrück zur Pacht angeboten. Ebenfalls 1950 konnte eine Fläche bei Husum angepachtet werden. In den Hunsrück wurde 1951 der Zuchtgarten verlegt, die Sämlingsanzucht verblieb zunächst in Buir, wurde 1952 aber auch nach Briedeler Heck verlegt. Aber auch im Hunsrück waren viele Bestände virusverseucht, so dass 1954 das Gut Hogelund (Kreis Südtondern) und 1961 Gut Hörst (Kreis Eckenförde) als Gesundlage hinzugepachtet wurden. An diese Standorte wurden Zucht und die Teststationen verlegt. Vor allem unter dem Saatzuchtleiter Dr. Schmidt wurden zahlreiche neue Kartoffelsorten gezüchtet. Sorten aus dem Hause Krafft waren z.B. Hassia, Tondra, Smaragd, Rheinhort und Saphir

1968 wurde die SAKA GbR als Zusammenschluss der Firmen Kameke-Streckenthin, J. Krafft Buir und Raddatz-Hufenberg sowie Pommersche Saatzucht GmbH mit Sitz in Windeby gegründet, aus die die Witwe Frau Marietta Krafft mittlerweile aber ausgetreten ist. Am 5.7.1995 verstarb Josef Krafft.

Heute bewirtschaftet Jürgen Krafft zusammen mit seiner Frau Stephanie den Hof. Dort fand in den letzten Jahren auch der Rheinische Kartoffeltag statt. Landwirte und Fachleute aus dem gesamten Rheinland treffen sich dann in Buir, um die Ergebnisse der Versuchsfelder der Landwirtschaftskammer zu begutachten. Mehr als 40 verschiedene Sorten werden hier jährlich präsentiert, darunter Speisekartoffeln wie auch Kartoffeln, die zu Pommes oder Chips weiterverarbeitet werden. Bei den Fachgesprächen anlässlich des Kartoffeltages geht es vor allem auch um den Umgang mit Insektiziden, neueste Schnitt-, Häufel-, Fräs- und Spritztechnik.
Die Buirer profitieren darüber hinaus vom günstigen Ab-Hof-Verkauf der schmackhaften Krafft-Kartoffeln.

Quellen:
Dr. A. Hecker, Die Pflanzenzucht in der Rheinprovinz
Aufzeichnungen von Frau Marietta Krafft
A. Bay: Buir, eine Siedlung in der Zülpicher Börde, Hausarbeit zur 1. Staatsprüfung 1973

 

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