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Gebuertstag oder doch Gebuirtstag?

Kerpen-Buir und Gelsenkirchen-Buer berufen sich für ihre 1000-Jahr-Feier auf dieselbe Urkunde

von DENNIS VLAMINCK, Kölnische Rundschau, 5. April 2003

KERPEN-BUIR.   Erzbischof  Heribert hätte sich ruhig was deutlicher ausdrücken können, dann gäbe es jetzt nicht so viel Verwirrung. In einer Urkunde mit dem Datum l. April 1003 taucht der Ort „Puire" auf. Grund für die Buirer, die sich in der Urkunde erstmals erwähnt glauben, ihr 1000-jähriges Ortsjubiläum zu feiern. Aber sie feiern nicht allein. Auch Gelsenkirchen-Buer feiert. Und beruft sich auf dieselbe Textstelle. „Gemeint ist unser Buir, einwandfrei. Das ist bewiesen", sagt der Blatzheimer Heimatforscher Hans Elmar Onnau, der die Urkunde unter die Lupe genommen hat. Aber auch Carl Heinrich Lueg, Heimatforscher aus Gelsenkirchen, ist sich sicher: „Bei dieser Quellenlage können wir Bueraner guten Gewissens unser Millennium feiern." Beide  Parteien haben schlagende Argumente. In der Urkunde, mit der Kölns Erzbischof Heribert dem Benediktinerkloster in Deutz Höfe und Land schenkt, tauchen sonst nur Eschweiler über Feld (Kreis Düren) und Antweiler (Kreis Euskirchen) auf, beide nahe Buir. Da liegt der Schluss nahe, dass es sich bei „Puire" um Buir handelt, denn Buer liegt in Westfalen. „Das Kloster Deutz hatte auch Besitz in Buer", sagt hingegen Lueg. Und in einer Urkunde aus dem Jahr 1147 bestätigt Papst Eugen III. die Schenkungen ans Kloster Deutz. „Da werden Eschweiler über Feld und Antweiler wieder erwähnt, aber auch ein „Buron“, und das ist nachweislich unser Buer, wie der Vergleich mit anderen Urkunden zeigt.“ Auch habe die Deutzer Abtei ein Mitspracherecht bei der Besetzung geistlicher Stellen in Buer gehabt, in Buir jedoch nie.
Buirs Ortsvorsteherin Hedi Reintgen-Cremer, zugleich Vorsitzende des Festausschusses, lässt sich wegen der Altersdiskussion keine grauen Haare wachsen. „Darüber zanken wir uns nicht“, sagt sie diplomatisch, fügt aber süffisant hinzu: „Wenn die in Gelsenkirchen-Buer meinen, sie sind erwähnt, dann sollen sie das gerne glauben.“ Sie findet, „dass jeder, der seinen 1000. Geburtstag feiern will, auch
feiern kann". Buer und Buir seien ja wesentlich älter, wie archäologische Funde zeigen, also stünde einem Jubiläum nichts wirklich im Weg. Die Buirer und Bueraner wollen sich bei ihren Festlichkeiten gegenseitig besuchen. Eine Delegation der Sebastianus-Bruderschaft Buir reist demnächst in den Ruhrpott, um am Buerer Festzug teilzunehmen. Und wenn die Buirer vom 13. bis zum 15. Juni feiern, kommt ein Buerer Gartenbauunternehmer, um als Zeichen der Verbundenheit auf dem Kirmesplatz eine Linde zu pflanzen. „Die kann über 1000 Jahre alt werden“, freut sich Reintgen-Cremer.
Ein Streit über die Urkunde lohnt schon deshalb nicht, weil das Pergament eine Kopie aus dem 12. Jahrhundert, also selbst gar nicht so alt ist. „Absolute Sicherheit gibt es nicht“, sagt Lueg. „Es wird strittig bleiben, bis andere Urkunden gefunden werden.“

 

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